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am 31. Jänner

NS-Zeitzeugin Lucia Heilman erzählt

Florian Wunsch, Bernd Kantoks - Dem Vortrag „Vom Leben und Überleben“ wohnten vor allem junge Josefstädterinnen und Josefstädter unter 30 bei.

NS-Zeitzeugin und Josefstädterin Lucia Heilman erzählt

Die Josefstädterin Frau Dr. Lucia Heilman (*1929), eine der letzten Zeit-ZeugInnen des menschenverachtenden Nazi-Regimes, erzählt ihre Lebensgeschichte. Als Jüdin vom Regime verfolgt, gewährt ihr und ihrer Mutter ein …

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Wien Josefstadt. Am 10.12.2019 fand im Josefstädter Bezirksmuseum eine Veranstaltung der besonderen Art statt. Die bekannte Zeitzeugin Dr. Lucia Heilman, Jahrgang 1929 und selbst Josefstädterin, erzählte im Rahmen der Reihe „Die Grünen wollen’s wissen“ einem allseits interessierten Publikum von ihrer Zeit im Versteck während der Nazi-Herrschaft in Wien. Ein Freund ihres Vaters war es, der ihr und ihrer Mutter in seiner Werkstatt Unterschlupf gewährte. Reinhold Duschka nahm dabei ein denkbar hohes Risiko auf sich: sein Unternehmen, nämlich Jüdinnen heimlich aufzunehmen, hätte ihn selbst das Leben kosten können.

Für Lucia Heilman bedeutete ein Leben im Versteck, dass sie während der langen Jahre ihrer stillen Flucht nur in seltensten Fällen die Möglichkeit hatte, hinauszugehen. Als junges Mädchen ging ihr insbesondere das Laufen, das kindliche Sichaustoben ab. Vielmehr war die Angst entdeckt und von den Nazis getötet zu werden ihr täglicher Begleiter. Ein Klingeln an der Werkstatttüre genügte und erneut stieg die Angst der Versteckten ins Unermessliche. Schließlich wurde das Haus, in dem die Werkstatt und das Versteck untergebracht waren, von einer Bombe zerstört, die Notwendigkeit eines neuen Verstecks wurde immanent. Bis zum Ende des Krieges 1945 musste Lucia Heilman in ihrem neuen Unterschlupf in erneuter Verborgenheit hausen. In einer Fragerunde, die beinahe so lange wie Lucia Heilmans gesamter Vortrag dauerte, erzählte die Referierende, dass sie über all die Jahre nicht ein einziges Mal gelacht hätte, sich an derartiges auch nach längerem Nachdenken nicht erinnern könne.

Besondere Freude bereitete die deutliche Präsenz der jungen Generation: die Mehrheit im Publikum war unter 30, wovon viele noch die Josefstädter Schulen besuchen. Martin Fabisch, Chef der Josefstädter Grünen dazu: „Der Ansturm der Jungen ist fantastisch. Wir sehen es als unsere gesellschaftliche Aufgabe, die Leute zu sensibilisieren und über die Gräueltaten der NS-Zeit aufzuklären. Niemals vergessen.“ Insgesamt waren über 150 Personen anwesend, was die Veranstaltung mit Lucia Heilman zu einer der größten in den letzten Monaten hervorhebt.

All jenen, die bei der Veranstaltung nicht dabei sein konnten, sei das Buch Am Seil. Eine Heldengeschichte. von Erich Hackl empfohlen. 2018 schrieb er die Überlebensgeschichte von Lucia Heilman nieder und setzte damit ihrem selbstlosen und widerständigen Retter Duschka ein Denkmal. Besonderer Dank gilt Lucia Heilman, der die Grünen Josefstadt weiterhin einen aktiven, aufklärerischen Geist und beste Gesundheit wünschen.