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am 23. Jänner 2016

Florianigasse: Der Speckgürtel-Schleichweg

Martin Köck - Die Florianigasse dient vielen als Schleichweg und leidet unter dem Durchzugsverkehr. Dabei hätte die Florianigasse Potential für sehr viel mehr!

Martin Köck setzt sich für eine Radverbindung in der Florianigasse ein.

Der Speckgürtel-Schleichweg


„Ich zeig dir mein Haus”, sagt mein Bekannter, „günstig gekauft, in Wolfsgraben im Wienerwald. Nur die Pendlerei geht mir auf die Nerven. Wobei, man muss halt wissen wo man fahren kann, in Wien vor allem.” Es ist 16:00 – Stoßzeit in Wien. „Das ist doch verrückt“, sag ich – „jetzt staut sich's doch überall”. “Na wart mal ab...” Und dann quälen wir uns, Hörlgasse rauf, Reichsratstrasse – Felderergasse, und voilà – Florianigasse. Dicht an dicht fahren hier die SUVs mit WU-Kennzeichen, aber sie fahren. Während sie in der Lerchenfelderstrasse, Neustiftgasse und auf der Wienzeile stehen. Florianigasse, Blindengasse, Uhlplatz, noch eine scharfe Kurve und noch eine, und schon sind wir am Gürtel. Ich bin beeindruckt. Wie muss das für die Menschen sein, die hier wohnen? Eine typische, schmale Anwohner-Strasse, in der man vom Ring bis zum Gürtel ungehindert durchfahren kann, weil die eigentlich vorgesehenen breiten Durchzugs-Strassen zugestaut sind?

Die Ziele die mit einer verkehrsberuhigung der Florianigasse erreicht werden sollen sind für die Grünen Josefstadt klar:


​1. Eine Reduktion des Durchzugsverkehrs durch die Florianigasse

2. Eine schienenfreie Radverbindung durch die Florianigasse in beide Richtungen

3. Eine attraktive Gestaltung des öffentlichen Raums

DER SPECKGÜRTEL SCHLEICHWEG AUS SICHT DER NICHT-MOTORISIERTEN


​SZENE 1

In meinem Geschäft in der Florianigasse ist heute nicht mehr viel los, also hab ich Zeit die Strasse zu beobachten. Immer wieder kommen Kinder, Jugendliche, Erwachsene mit Scootern und Fahrrädern am Gehsteig vorbei – stadteinwärts, gegen die Einbahnrichtung. Was sollen sie auch sonst machen? Einige mutige fahren auf der Fahrbahn – breit genug wäre es ja – aber es gibt zumindest 2 Probleme: Autofahrer, die durch absichtliches “Linksfahren” signalisieren “Hallo, hier ist nur Platz für mich, du bist illegal!” und die Polizei, die RadlerInnen auf der Fahrbahn abmahnt oder abstraft.

SZENE 2

Heute gehen wir zum Inder in der Florianigasse. Vor der Kreuzung mit der Lange Gasse stehen die Tische einladend am Gehsteig. Aber das Essen wird zur Qual: vor der Ampel stehen bei jeder Rotphase Auto an Auto, viele davon mit WUTU-Kennzeichen. Und der Dieselgestank gewinnt den Kampf gegen den Duft der köstlichen indischen Gewürze. An ein Gespräch ist sowieso nicht zu denken, der nahe Lärm der Motoren verdirbt die Lust dazu nachhaltig. Dabei ist die Florianigasse eine beliebte Lokalmeile in Universitätsnähe mit unzähligen Restaurants, Lokalen und Schanigärten.

Die Florianigasse

Die Florianigasse ist eine der ganz wenigen Strassen, die nicht für den Durchzugsverkehr konzipiert sind. Und obwohl seit rund 30 Jahren über eine Reduktion des Durchzugsverkehrs diskutiert wird, ist sie über die gesamte Länge, also von der Zweierlinie bis zum Gürtel, ungehindert befahrbar. In einer zeitgemäßen Verkehrsplanung steht dies im krassen Widerspruch zur verordneten Tempo 30-Beschränkung, die lediglich für den lokalen Zubringer-Verkehr gedacht sind. Lediglich das direkte Abbiegen von der 2er Linie wurde vor einigen Jahren gekappt und durch eine Zufahrt über die Route Reichsratstrasse-Feldererstrasse (die vom Ring und von der Hörlgasse möglich ist), ersetzt. Der Durchzugsverkehr hat sich dadurch nur unwesentlich verringert. Eine Verkehrszählung von 2015 zeigt, dass 30% des Verkehrs überhaupt komplett durchfahren. Ein weiterer erheblicher Prozentsatz befährt einen großen Teil des Straßenzugs und ist daher ebenfalls nicht dem lokalen Erschliessungsverkehr zuzurechnen. Bei einer “Kappung” (gestürzte Einbahn z.B. zwischen Lederergasse und Kochgasse) ist von einer Halbierung der Verkehrsmenge auszugehen. Dies würde den Charakter der Strasse zugunsten der nicht-motorisierten Verkehrsteilnehmer erheblich verbessern. Die Aufenthaltsqualität für FußgängerInnen würde attraktiviert und auch das geplante Radfahren-gegen-die-Einbahn ermöglicht. Anders formuliert: ohne Kappung des Durchzugsverkehrs bleibt das Radfahren-gegen-die-Einbahn wieder nur “geübten” Radfahrenden vorbehalten – dies steht im krassen Widerspruch zu den übergeordneten Zielen der Wiener Mobilitätsplanung, die von einer Planung für alle Altersgruppen und Fähigkeiten ausgeht.

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