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am 27. February 2016

Die unsichtbare Frau

Webredaktion der Grünen Josefstadt - Grünaktivist Noah Schönhart analysiert wie Stereotypen und Vorurteile selbst erfolgreiche und engagierte Frauen wie Amal Clooney in den Schatten drängen.

Wenn George Clooney Angela Merkel besucht, um mit ihr über Flüchtlinge zu sprechen, dann berichten vielen Medien von einem erfolgreichen Hollywood-Schauspieler, der die mächtigste Frau der Welt trifft. So geschah es auch am 12. Februar, einem Tag nach der Eröffnung der Berlinale, als die erwähnte Begegnung im deutschen Bundeskanzleramt stattfand.

Obwohl sie ebenfalls anwesend war, wurde Amal Clooney äußerst selten erwähnt, und wenn doch, dann wurde sie lediglich als schöne Begleitung oder Ehefrau des bekannten US-Schauspielers tituliert. Tatsächlich engagieren sich beide Clooneys für die Hilfsorganisation International Rescue Committee und darum ging es bei ihrem Gespräch mit Merkel auch.

Dass diese „Unsichtbarmachung“ einer weltweit anerkannten Juristin und Aktivistin also weder richtig, noch fair sein kann, dachte sich auch die Online-Redaktion der ARD Tagesschau und veröffentlichte folgende Meldung auf Facebook:

Bundeskanzlerin Merkel hat sich heute mit der international renommierten Menschenrechtsanwältin Amal Clooney getroffen, um über die Flüchtlingskrise zu sprechen. Clooney kam in Begleitung ihres Mannes, einem Schauspieler.

Vielen Menschen gefiel diese außergewöhnliche Schilderung und andere erzählten in den Kommentaren ganz offen, dadurch zum Nachdenken angeregt worden zu sein.

Der Umstand, dass bei Frauen – sofern sie überhaupt erwähnt werden – häufig das Aussehen in den Vordergrund gestellt wird, während Männer für ihre Leistungen gelobt werden, missfiel auch Oscargewinnerin Reese Witherspoon, die im Vorfeld der letztjährigen OscarVerleihung unter dem Hashtag #AskHerMore (deutsch: Fragt sie mehr) auf dieses Problem aufmerksam machen wollte und die versammelte Presse zu animieren versuchte, weibliche Nominierte mehr und vor allem Bedeutenderes zu fragen, als nur woher das Kleid sei und wie lange das Make-up gebraucht habe.

In jener Oscar-Nacht wurden Reese Witherspoon und andere Frauen zwar einmalig mehr gefragt, doch in der breiten Gesellschaft scheint dieses Thema noch nicht angekommen zu sein, auch nicht in Österreich, wo sich täglich neue Beispiele für ein stereotypisches Frauenverständnis finden, ob in der Werbung, im Fernsehen, oder in den Medien.

Die Grünen arbeiten seit jeher daran, Sexismus entgegenzuwirken und setzen sich dabei auch für eine Sichtbarmachung von Frauen ein – im Berufsleben, der Politik und Gesellschaft, aber auch in der Sprache und den Medien.

Von vielen werden diese Maßnahmen belächelt, oder gar kritisiert. Doch die immer noch weit verbreiteten falschen Rollenbilder sind der beste Beweis für die Wichtigkeit antisexistischer Politik und der Schaffung eines diskriminierungsfreien Bewusstseins, das unserem 21. Jahrhundert angemessen ist. Stereotype und Vorurteile müssen endlich aus den Köpfen der Menschen verschwinden. Dafür setzen sich die Grünen ein, in der Hoffnung, dass die unsichtbare Frau sichtbar wird.