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am 4. Juli

Wie geht es den Geschäften?

Noah Schönhart - Viele Geschäfte durch Corona-Krise bedroht

Es ist ein Stückweit Normalität eingekehrt in der Josefstadt: Schulen haben den Unterricht wiederaufgenommen, öffentliche Verkehrsmittel fahren im gewohnten Takt, die Maskenpflicht ist weitestgehend gefallen und mit der Öffnung der Grenzen kehren langsam auch die ersten Tourist*innen wieder zurück in den Bezirk.

Und doch ist an Normalität für viele dieser Tage gar nicht zu denken. Wir alle kennen inzwischen Menschen, die sich vorübergehend in Kurzarbeit befinden, ihre Arbeitsplätze gänzlich verloren haben oder ihre Betriebe mehrere Wochen lang geschlossen halten und dadurch erhebliche Umsatzverluste, ja sogar Schulden in Kauf nehmen mussten. Viele Geschäftstreibende kämpfen jetzt um ihre Existenz.

Unter dem Motto „Josefstadt hilft​“ haben wir Anfang April, zum Höhepunkt der Corona-Pandemie in Österreich, eine Initiative gestartet und dazu aufgerufen, lokal einzukaufen und die Online-Angebote der Josefstädter Geschäfte, wo immer dies möglich ist, zu nutzen oder andernfalls Gutscheine zu erwerben, die später eingelöst werden können.

Und tatsächlich haben sich viele Josefstädterinnen und Josefstädter solidarisch gezeigt und etwa die kleine Buchhandlung ums Eck oder den Würstelstand im Grätzel unterstützt, so gut es ging.

Doch auch die größte Solidarität kann die wochenlange Flaute der Geschäfts- und Gastronomietreibenden in der Josefstadt nicht wettmachen. Martin Fabisch, Spitzenkandidat der Grünen Josefstadt, und der Aktivist Noah Schönhart haben sich bei einigen von ihnen umgehört:

 

Der einhellige Tenor: Es geht schlecht.


Von den Corona-Hilfsmaßnahmen sei wenig Geld geflossen, berichtet etwa die Betreiberin eines noch jungen Cafés im Bezirk, das sich auf Specialty Coffee fokussiert und eigene Röstungen anbietet.

Ein Juwelier einige Meter weiter erzählt, dass er gerade einmal 500 Euro an Förderungen bekommen habe und in den vergangenen Monaten sein Erspartes aufbrauchen musste, um das Geschäft erhalten zu können. Sein zweites Geschäft werde er schließen. Es gebe Tage, an denen überhaupt keine Kund*innen kommen. 

„Zu hören, dass Menschen neun Stunden im Geschäft sitzen, in das sie ihr ganzes Herzblut gesteckt haben, und abends ohne einen Cent in der Kassa zusperren müssen, tut weh“, zeigt sich Martin Fabisch betroffen und fordert rasche Maßnahmen für die Klein- und Mittelunternehmen der Josefstadt.

Die Lage ist in der Tat angespannt. Auch in einem Modegeschäft auf der Josefstädter Straße hören wir von Tagen, an denen gerade einmal 10 Euro eingenommen werden. Demnächst werde man wahrscheinlich schließen. Die hohe Miete der Räumlichkeiten und andere Abgaben, die trotz Corona weiterbezahlt werden müssen, machen einen Fortbestand nicht möglich.

„Die Bezirksvorsteherin ist gefordert, sich die Probleme der zahlreichen Betriebe in der Josefstadt persönlich anzuhören und im Rahmen ihrer Möglichkeiten rasch und unbürokratisch zu helfen, statt Vertreter vorzuschicken, die Visitenkarten austeilen“


kritisiert Fabisch das unbeherzte Handeln der Bezirksvorstehung.

Schon vor der Corona-Pandemie gab es einige leerstehende Lokale im Bezirk, für die lange Zeit keine Nachmieter*innen gefunden werden konnten. Nun ist zu befürchten, dass weitere Betriebe die Krise wirtschaftlich nicht überstehen werden. Und auch abseits der Corona-bedingten Ausfälle gibt es Probleme. In der Auerspergstraße etwa sind Geschäftstreibende seit Jahren von diversen Baustellen (unter anderem wegen des U-Bahn-Baus) beeinträchtigt. Lärm, Staub und ausbleibende Kund*innen sind die Folge.

Gerade die kleinen Geschäfte, Restaurants, Bars und Cafés machen die Josefstadt erst zudem, was sie ist: einem der lebenswertesten Bezirke Wiens.

Wir Grüne werden uns auch weiterhin mit aller Kraft für die Geschäftsleute der Josefstadt einsetzen und fordern auch die Bezirksvorsteherin dringend auf, hier rasch tätig zu werden, bevor es zu spät ist.