Der Hamerlingpark wird zum Lore-Segal-Park


Gerechtigkeit im öffentlichen Raum: Über eine Parkumbenennung im Herzen der Josefstadt

Lore Segal in ihrer Wohnung auf der Upper West Side in Manhattan, März 2023

©Helmut Pokornig

Als Kind spielte Lore Segal im Hamerlingpark – bis ihr dies 1938 von den Nationalsozialisten verboten wurde. Nun soll jener Park nach der großen Josefstädterin Segal benannt werden. Ein entsprechender Antrag wurde mit den Stimmen von Grünen, SPÖ, ÖVP, NEOS und KPÖ im Bezirksparlament beschlossen und wird derzeit von der Stadt Wien geprüft.

Der Antrag setzt ein klares Zeichen: Der bisherige Namensgeber Robert Hamerling (1830–1889) war zwar ein bedeutender Autor des 19. Jahrhunderts, zugleich enthalten seine Werke antisemitische, rassistische, nationalistische und frauenfeindliche Elemente. Er verwendete Begriffe wie „Judengeruch“ oder „Judennase“ und sprach von einer „lebenskräftigen jüdischen Race“. Daher wurde er 2021 von einer Historiker:innen-Kommission als „Fall mit Diskussionsbedarf“ eingestuft. Die Debatte über den Parknamen wurde seither intensiv geführt.

Mit Lore Segal wird nun eine Persönlichkeit geehrt, die eng mit der Josefstadt verbunden ist. 1928 in Wien geboren, wuchs sie hier auf und besuchte Schulen in der Pfeil-, Lerchen- und Albertgasse. Der Hamerlingpark war ihr zweites Zuhause – bis jüdischen Kindern der Zutritt untersagt wurde.

Nach dem „Anschluss“ 1938 verlor ihr Vater seine Arbeit, die Familie wurde vertrieben. Segal konnte mit dem ersten Kindertransport nach Großbritannien fliehen und so überleben, während viele Verwandte im Holocaust ermordet wurden.

Ihr weiterer Weg führte sie über London und die Dominikanische Republik in die USA. In New York wurde sie eine anerkannte Schriftstellerin und Professorin, unter anderem an der Columbia University und in Princeton. Bis ins hohe Alter blieb sie literarisch tätig und Wien verbunden. Noch kurz vor ihrem Tod 2024 nahm sie per Liveschaltung an einer Ausstellung über ihr Leben im Bezirksmuseum teil.

Die Umbenennung ist mehr als eine symbolische Geste: Sie entscheidet darüber, wem im öffentlichen Raum Sichtbarkeit gegeben wird. In Zeiten zunehmenden Antisemitismus ist es wichtig, klare Zeichen zu setzen und jene zu ehren, die es auch verdienen.

Mit Lore Segal wird eine jüdische Autorin geehrt, deren Leben für Exil, Überleben und kulturelle Kontinuität steht. Gleichzeitig stärkt die Benennung die Sichtbarkeit von Frauen, die im öffentlichen Raum Wiens weiterhin unterrepräsentiert sind.

Die Umbenennung in „Lore-Segal-Park“ ist damit ein Schritt zu mehr historischer Verantwortung, Erinnerung und gegen Ausgrenzung in der Josefstadt.

Lena Köhler

Bezirksvorsteher-Stellvertreterin

Lore Segal 1929 im Hamerlingpark 

©privat