Ein Blick in die Ukraine: Was Ukrainer:innen in der Josefstadt beschäftigt

Die ukrainischen Betrieber von FlorGalerie

Der Iran-Konflikt, Nahost und ein unberechenbarer US-Präsident lenken die Aufmerksamkeit weg vom Ukraine-Krieg. Familie Iljin aus Bila Zerkwa in der Region Kyjiw betreibt seit 2020 das Blumengeschäft „FlorGalerie“ in der Lerchenfelder Straße. Das Josefstädter Journal traf sie zum Austausch über die Lage in ihrem Heimatland.

Josefstädter Journal (JJ): Wie erleben Sie aktuell die Situation in der Ukraine?

FlorGalerie (FG): Die Lage ist sehr schwer. Unsere Erfahrung ist, dass man als Außenstehende:r nicht nachvollziehen, nicht „spüren“ kann, was Krieg wirklich bedeutet, wenn man ihn nicht erlebt. Es ist fürchterlich – viele Leben sind zerstört.

JJ: Österreich möchte die Ukraine beim Wiederaufbau unterstützen. In welchen Bereichen ist rot-weiß-rotes Know-how am gefragtesten?

FG: Die Ukraine kann von Österreich im Rettungs-, Feuerwehr- und Polizeiwesen viel lernen, auch im Bereich des öffentlichen Verkehrs. Neben dem klassischen Wiederaufbau wäre auch psychologische Unterstützung für weite Teile der Bevölkerung wichtig.

JJ: Viele ukrainische Flüchtlinge sind in Österreich sehr gut integriert, auch in der Josefstadt. Wie kann diese Community als Brücke zwischen beiden Ländern fungieren?

FG: Viele der Geflüchteten organisieren in Wien ukrainisches Schauspiel, Ballett oder veranstalten künstlerische Events. Uns freut es sehr, dass wir unsere Traditionen zeigen dürfen. Besonders in Erinnerung bleibt uns ein Literaturabend, bei dem ukrainische Werke gelesen und übersetzt wurden – mit riesigem Interesse der Österreicher:innen. Dieser Austausch ist wundervoll und stärkt die Verbindung zwischen unseren Ländern.

JJ: Wie sehen Sie die europäische Perspektive für die Ukraine?

FG: Die Ukraine und Europa gehören zusammen. Am besten sollte sich Europa eigenständig verteidigen können. Idealerweise gibt es künftig ein eigenes europäisches Verteidigungsbündnis, das die Ukraine einschließt.

JJ: Was möchten Sie den Josefstädter:innen mitgeben?

FG: Wir sind sehr dankbar für die Unterstützungen, die wir hier für die Ukraine erleben dürfen. Neben der österreichischen Regierung gibt es auch viel Hilfe aus der Zivilbevölkerung. Danke!


Florian Wunsch, Vorsitzender der Bezirksvertretung, Europabeauftragter